Das Wichtigste in Kürze
- Die Tabelle nach Alter folgt der Leitlinie der Kinder- und Jugendärzte (DGKJ) und der BZgA: unter 3 Jahren keine Bildschirmmedien, 3–6 Jahre höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, 6–9 Jahre höchstens 30–45 Minuten, 9–12 Jahre höchstens 45–60 Minuten täglich, 12–16 Jahre 1–2 Stunden am Tag.
- Ein Wochenbudget mit Tagesdeckel ist alltagstauglicher als eine starre Tagesgrenze: Das Kind lernt einteilen, und ein Filmabend am Samstag bleibt möglich, ohne dass die Woche aus dem Ruder läuft.
- Inhalte und Begleitung zählen mehr als Minuten. Gemeinsam schauen, altersgerechte Inhalte und Gespräche über das Gesehene machen aus Bildschirmzeit Medienerziehung.
- Feste bildschirmfreie Zeiten – Mahlzeiten, die letzte Stunde vor dem Schlafen, das Kinderzimmer nachts – wirken mehr als jede Minutenzählung. Und: Bildschirme nie als Beruhigungsmittel, Belohnung für Braves oder Strafe einsetzen.
Wie viel Bildschirmzeit ist in welchem Alter in Ordnung? Kaum eine Erziehungsfrage wird so oft gestellt und so unterschiedlich beantwortet – von „gar keine“ bis „ist doch egal, Hauptsache die Inhalte stimmen“. Dabei gibt es belastbare Empfehlungen: von den deutschen Kinder- und Jugendärzten, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Weltgesundheitsorganisation. In diesem Ratgeber findet ihr die Medienzeit für Kinder als Tabelle nach Alter, pro Tag und als Wochenbudget, dazu die 3-6-9-12-Regel, die Frage, ob ihr täglich oder wöchentlich zählen solltet, und eine Anleitung, wie ihr Regeln so vereinbart, dass sie halten.
Medienzeit für Kinder: die Tabelle nach Alter
Die Tabelle fasst die Empfehlungen der DGKJ-Leitlinie „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs“ (2023) und der BZgA zusammen. Gemeint ist immer die freizeitliche Nutzung – Schule, Hausaufgaben am Laptop oder ein Videoanruf mit Oma zählen nicht mit. Die Spalte „Wochenbudget“ ist unsere Umrechnung als Orientierung für Familien, die lieber pro Woche als pro Tag planen; die Quellen selbst nennen Tageswerte.
| Alter | Empfehlung pro Tag | Wochenbudget (Orientierung) | Quelle |
|---|---|---|---|
| 0–3 Jahre | keine Bildschirmmedien, weder passiv noch aktiv | 0 | DGKJ, BZgA; WHO: unter 2 Jahren keine, 2–4 Jahre höchstens 1 Stunde |
| 3–6 Jahre | höchstens 30 Minuten, nicht täglich, nur mit einem Elternteil dabei | bis ca. 2 Stunden, verteilt auf einzelne Tage | DGKJ, BZgA |
| 6–9 Jahre | höchstens 30–45 Minuten an einzelnen Tagen; keine eigene Konsole, kein eigenes Smartphone | ca. 3–4 Stunden | DGKJ, BZgA |
| 9–12 Jahre | höchstens 45–60 Minuten täglich; kein unbeaufsichtigtes Surfen | ca. 5–7 Stunden | DGKJ, BZgA |
| 12–16 Jahre | höchstens 1–2 Stunden, bis spätestens 21 Uhr | ca. 7–14 Stunden | DGKJ |
| 16–18 Jahre | Orientierungswert 2 Stunden | ca. 14 Stunden | DGKJ |
Drei Dinge fallen beim Lesen auf. Erstens: Die Werte sind Obergrenzen, keine Sollwerte. „Höchstens 45 Minuten“ heißt nicht, dass ein Achtjähriger 45 Minuten braucht. Zweitens: Bei den Kleinsten steht bewusst „an einzelnen Tagen“ – die Ärzte gehen nicht davon aus, dass ein Fünfjähriger jeden Tag vor einem Bildschirm sitzt. Drittens: Die Sprünge sind klein. Zwischen 6 und 12 Jahren wächst die Empfehlung von 30 auf 60 Minuten – nicht von einer halben Stunde auf drei. Die große Erweiterung kommt erst mit 12, wenn Smartphone, Messenger und Hausaufgaben am Rechner dazukommen.
Tipp
Rechnet die Tabelle für euer Kind in ein konkretes Beispiel um: 45 Minuten sind zwei Folgen einer Kinderserie oder eine Runde am Tablet. Kinder können mit „zwei Folgen“ mehr anfangen als mit „45 Minuten“ – und die Diskussion darüber, ob die Folge zu Ende geschaut werden darf, entfällt.
Woher die Zahlen kommen
Die wichtigste Quelle in Deutschland ist die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), veröffentlicht 2023 im AWMF-Register unter der Nummer 027-075. Sie wurde von Kinder- und Jugendärzten, Suchtmedizinern, Psychologen und weiteren Fachgesellschaften im Konsens erarbeitet. Ihre Empfehlungen sind die, die ihr in der Tabelle seht: keine Bildschirme unter 3, höchstens 30 Minuten mit 3–6, 30–45 Minuten mit 6–9, 45–60 Minuten mit 9–12 und 1–2 Stunden mit 12–16 Jahren. Dazu kommen Regeln, die nichts mit Minuten zu tun haben: keine Bildschirme beim Essen, keine in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen, keine eigene Spielkonsole vor 9 Jahren, ein eigenes Smartphone frühestens mit 9, besser erst mit 12 – und Bildschirmmedien nie zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung.
Die BZgA übernimmt diese Richtwerte auf ihrem Elternportal kindergesundheit-info.de und ergänzt sie um Empfehlungen zur Medienerziehung: klare Regeln, Kinder mit zunehmendem Alter in Entscheidungen einbeziehen, Medien gemeinsam erkunden.
Die Weltgesundheitsorganisation hat 2019 Leitlinien für Kinder unter 5 Jahren veröffentlicht. Sie sind etwas großzügiger als die deutschen: unter 2 Jahren keine sitzende Bildschirmzeit, mit 2 bis 4 Jahren höchstens eine Stunde am Tag – „weniger ist besser“. Der Grund für die Differenz ist vermutlich weniger die Forschungslage als die Perspektive: Die WHO argumentiert vor allem mit Bewegung und Schlaf, die deutsche Leitlinie zusätzlich mit Sprachentwicklung und Bindung. Wenn ihr euch an den strengeren deutschen Wert haltet, seid ihr auf jeden Fall innerhalb beider Empfehlungen.
Was keine dieser Quellen liefert, ist ein Wochenbudget. Die Umrechnung in der Tabelle ist unsere: Tageswert mal fünf bis sieben, bei den Kleinen bewusst weniger, weil dort „nicht täglich“ Teil der Empfehlung ist. Wie ihr das im Alltag einsetzt, steht weiter unten.
Die 3-6-9-12-Regel erklärt
Neben den Minutenwerten hat sich eine zweite Orientierung durchgesetzt, die keine Minuten zählt, sondern Meilensteine setzt: die 3-6-9-12-Regel des französischen Kinderpsychiaters Serge Tisseron, entwickelt 2008. Sie ist bewusst einfach gehalten, damit Eltern sie sich merken:
- Vor 3 Jahren: keine Bildschirme. Kleinkinder lernen Sprache, Motorik und Gefühle im direkten Austausch mit Menschen. Ein Bildschirm kann das nicht ersetzen, auch kein „Lernvideo“.
- Vor 6 Jahren: keine eigene Spielkonsole. Bildschirme gehören in dieser Phase in den gemeinsamen Raum, in die gemeinsame Zeit und nicht ins Kinderzimmer. Tisseron nennt als Obergrenze eine Stunde am Tag als Familienaktivität – das ist großzügiger als die deutsche Leitlinie, die bei 30 Minuten bleibt.
- Vor 9 Jahren: Internet nur begleitet. Das Kind darf kreativ mit Geräten arbeiten – fotografieren, kleine Programme bauen –, aber nicht allein surfen. Ab hier gehören drei Sätze zur Erziehung: Alles, was du ins Netz stellst, kann öffentlich werden. Nichts verschwindet wieder. Nicht alles, was du siehst, ist wahr.
- Vor 12 Jahren: keine sozialen Netzwerke, Smartphone so spät wie möglich. Das Kind lernt, sich selbst zu schützen. Ab 12 bleiben die Eltern ansprechbar und interessiert: privates Profil, kein Handy nachts im Schlafzimmer, Spielzeiten begrenzen.
Die Regel ersetzt die Tabelle nicht, sie ergänzt sie. Die Tabelle beantwortet „wie lange“, die Regel „was ab wann“. Beides zusammen ergibt einen Rahmen, mit dem ihr die meisten Situationen einordnen könnt. Und beide sagen dasselbe über die ersten drei Lebensjahre: gar nichts.
Pepp
Aufgaben, Taschengeld und Medienzeit an einem Ort
Pepp macht aus Aufgaben Quests. Dein Kind sammelt, du behältst den Überblick – ohne Bankkonto, ohne Karte.
Tages- oder Wochenbudget?
Die Leitlinien nennen Tageswerte, weil sie sich an Ärzte und Eltern gleichermaßen richten und ein Tageswert leichter zu vermitteln ist. Im Familienalltag ist eine starre Tagesgrenze aber oft unpraktisch: Unter der Woche bleibt nach Schule, Hausaufgaben und Sport kaum Zeit für 45 Minuten Bildschirm, am Samstag will die Familie einen Film schauen, der 90 Minuten dauert. Wer dann jeden Tag streng abrechnet, produziert unnötige Konflikte und lehrt das Kind nebenbei, jeden Tag alles auszuschöpfen, „weil es sonst verfällt“.
Bewährt hat sich ab dem Grundschulalter die Kombination aus Wochenziel und Tagesobergrenze. Das Wochenziel ist das Budget, etwa 5 Stunden für einen Neunjährigen; die Tagesobergrenze verhindert, dass das ganze Budget am Sonntag auf einmal verbraucht wird, etwa 90 Minuten – bewusst über dem Tageswert der Tabelle, weil das Wochenbudget den Ausgleich schafft und ein Filmabend möglich bleibt. Das Kind lernt dabei etwas, das eine Tagesgrenze nicht vermitteln kann: einteilen, aufsparen, Prioritäten setzen. Ein Kind, das Dienstag freiwillig nicht schaut, um Freitag mit Freunden zu spielen, hat mehr über Selbstregulation gelernt als eines, das täglich seine 45 Minuten abholt.
In Pepp legt ihr Medienzeit pro Kind als Grenze fest, und beide Eltern sehen denselben Stand. Dazu kommt ein zweiter Baustein: Medienzeit kann in Pepp als Belohnung für Quests dienen – eine Extra-Aufgabe wie Garage aufräumen bringt dann Minuten statt Euro. Das ist ein Extra, das oben auf das vereinbarte Budget kommt, nicht das Budget selbst. Der Unterschied ist wichtig: Die vereinbarte Medienzeit bekommt euer Kind ohne Gegenleistung, so wie Taschengeld. Was ihr für Extras dazugebt, ist verhandelbar. Ob und wie das sinnvoll ist, diskutieren wir ausführlich in Medienzeit als Belohnung.
Für 3- bis 6-Jährige gilt das Wochenmodell nicht. In diesem Alter kann ein Kind eine Woche noch nicht überblicken, und die Empfehlung lautet ohnehin „an einzelnen Tagen, gemeinsam“. Hier reicht eine einfache Regel: zum Beispiel eine Folge nach dem Kindergarten an drei Tagen, nie vor dem Schlafen.
Inhalte zählen mehr als Minuten
Die Minutenwerte sind eine Obergrenze für das, was ein Kind verträgt. Sie sagen nichts darüber, was in diesen Minuten passiert – und das entscheidet mehr über die Wirkung als die Dauer. Drei Dinge machen den Unterschied.
Alter und Qualität des Inhalts. Eine Kindersendung in ruhigem Tempo, mit einer Geschichte, die das Kind nacherzählen kann, ist etwas anderes als eine endlose Folge von 20-Sekunden-Clips, die ein Algorithmus ausgesucht hat. Als Faustregel: Inhalte, die einen Anfang und ein Ende haben, sind besser als Inhalte, die nie aufhören. Und alles, was das Kind allein an einem Autoplay-Feed schaut, ist im Zweifel zu alt für es.
Begleitung. Fachleute sprechen von Co-Viewing: mitschauen, kommentieren, Fragen stellen. „Warum war der Hase traurig?“ – so ein Satz macht aus passivem Konsum ein Gespräch. Die BZgA empfiehlt genau das: Kinder sollen Medien zusammen mit Mutter oder Vater erkunden. Das gilt für Vierjährige beim Bilderbuch-Video wie für Zwölfjährige beim ersten YouTube-Kanal. Wer weiß, was das Kind schaut, kann darüber reden. Wer es nicht weiß, kann nur die Minuten zählen.
Aktiv oder passiv. Ein Kind, das mit einem Tablet ein Stop-Motion-Video baut, nutzt Bildschirmzeit anders als eines, das durch Kurzvideos wischt. Beides zählt zur Bildschirmzeit, aber das eine ist Werkzeug, das andere Konsum. Die 3-6-9-12-Regel macht diesen Unterschied ausdrücklich: Ab 6 dürfen Kinder kreativ mit Geräten arbeiten – das ist eine Einladung, nicht nur ein Zugeständnis.
Wenn ihr also einmal über der Tabelle liegt, weil das Kind mit der Oma eine Stunde per Video gebastelt hat, ist das kein Grund zur Sorge. Wenn ihr regelmäßig darunter liegt, aber nicht wisst, was euer Kind schaut, schon eher. Woran ihr erkennt, dass die Nutzung kippt – Schlaf, Stimmung, Rückzug –, steht in Zu viel Bildschirmzeit erkennen.
Achtung
Bildschirme sind kein Beruhigungsmittel. Das Tablet im Restaurant, das Handy im Wartezimmer, die Serie gegen den Wutanfall – jedes Mal lernt das Kind, dass ein Bildschirm die Lösung für unangenehme Gefühle ist. Und es verpasst die Gelegenheit, selbst mit Langeweile oder Frust umzugehen. Die DGKJ-Leitlinie formuliert es ausdrücklich: Bildschirmmedien nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung einsetzen. Ausnahmen gibt es – die lange Autofahrt, der Fieberabend –, aber sie sollten Ausnahmen bleiben.
Bildschirmfreie Zonen und Zeiten
Wer nur Minuten zählt, übersieht, dass der Zeitpunkt oft wichtiger ist als die Dauer. Drei Bereiche sollten in jeder Familie bildschirmfrei sein – die Leitlinie nennt sie ausdrücklich, und sie gelten für alle Altersstufen:
- Mahlzeiten. Kein Handy, kein Fernseher, keine Tablets am Tisch – bei niemandem. Gemeinsame Mahlzeiten sind die verlässlichste Gesprächszeit des Tages. Die Leitlinie ergänzt: auch umgekehrt nicht beim Bildschirm essen.
- Die letzte Stunde vor dem Schlafen. Bildschirmlicht und Aufregung verzögern das Einschlafen. Vorlesen, Hörspiel, Reden – alles ist besser als ein Video als letztes vor dem Licht aus. Für Jugendliche setzt die Leitlinie 21 Uhr als Ende der Bildschirmzeit.
- Das Kinderzimmer nachts. Kein Smartphone, keine Konsole, kein Fernseher im Zimmer, in dem geschlafen wird. Das Handy lädt in der Küche. Diese eine Regel verhindert mehr Probleme als jede Minutenzählung – und sie ist am einfachsten durchzuhalten, wenn sie von Anfang an gilt.
Dazu kommen Zeiten, die ihr selbst festlegt: der Sonntagvormittag, die erste Stunde nach der Schule, der Familienausflug. Es lohnt sich, sie nicht als Verbot zu formulieren, sondern als Zeit für etwas anderes. „Nach der Schule ist erst mal draußen“ klingt anders als „nach der Schule gibt es kein Tablet“.
Und dann ist da noch euer eigenes Verhalten. Kinder übernehmen nicht, was ihr sagt, sondern was ihr tut. Wer beim Essen aufs Handy schaut, kann Bildschirmfreiheit am Tisch schwer verlangen. Die bildschirmfreien Zonen gelten deshalb für die ganze Familie – das macht sie auch leichter durchsetzbar, weil sie keine Kinderregel sind, sondern eine Hausregel.
Regeln vereinbaren
Regeln, die einmal am Abendbrottisch verkündet werden, sind nach einer Woche verhandelbar. Regeln, die gemeinsam vereinbart, aufgeschrieben und sichtbar gemacht wurden, halten. So geht ihr vor:
- Ausgangslage klären. Notiert eine Woche lang ehrlich, wie viel Bildschirmzeit euer Kind tatsächlich hat – und ihr selbst. Die meisten Familien unterschätzen beides. Erst mit einer Zahl könnt ihr entscheiden, ob und wie viel sich ändern soll.
- Rahmen aus der Tabelle ableiten. Nehmt den Wert für das Alter eures Kindes als Obergrenze und entscheidet, ob ihr täglich oder wöchentlich zählen wollt. Für Grundschulkinder: Wochenbudget plus Tagesdeckel. Für Kleinere: feste Tage und feste Sendungen.
- Gemeinsam festlegen, nicht verkünden. Ab etwa 6 Jahren kann ein Kind mitentscheiden, wann es sein Budget nutzen will – nicht wie groß es ist. Wer mitbestimmt, hält sich eher daran. Schreibt die Regeln auf und hängt sie dorthin, wo alle sie sehen.
- Bildschirmfreie Zonen zuerst. Mahlzeiten, letzte Stunde vor dem Schlafen, Kinderzimmer nachts. Diese drei Regeln sind nicht verhandelbar und gelten für alle. Erst danach geht es um Minuten.
- Das Ende neutral machen. Ein Timer, eine Sanduhr oder eine App, die das Ende anzeigt, nimmt euch die Rolle des Spielverderbers. „Der Timer ist durch“ ist leichter zu akzeptieren als „ich sage, es reicht“. Kündigt das Ende fünf Minuten vorher an, damit das Kind eine Folge oder ein Level abschließen kann.
- Nach vier Wochen nachjustieren. Setzt euch zusammen und fragt: Was klappt, was nicht? Regeln, die nie angepasst werden, wirken willkürlich. Regeln, die einmal im Quartal überprüft werden, wirken vereinbart. Zum Geburtstag steigt das Budget – planbar, ohne Diskussion.
Rechnet mit Widerstand in den ersten zwei Wochen, besonders wenn bisher keine Regeln galten. Das ist normal und geht vorbei, wenn ihr konsequent bleibt – nicht streng, sondern verlässlich. Was nicht hilft: Verlängerungen, weil es gerade praktisch ist, oder Kürzungen als Strafe für etwas, das mit Medien nichts zu tun hat. Beides macht die Regel zur Verhandlungsmasse. Wenn ihr Extras für erledigte Aufgaben vergeben wollt, gehört das in ein eigenes Belohnungssystem, das sauber vom vereinbarten Budget getrennt ist.
Fazit
Die Tabelle gibt euch einen belastbaren Rahmen: keine Bildschirme unter 3 Jahren, höchstens 30 Minuten mit 3–6, 30–45 Minuten mit 6–9, 45–60 Minuten mit 9–12 und 1–2 Stunden mit 12–16 Jahren – alles Obergrenzen für die Freizeit, nicht Sollwerte. Ab dem Grundschulalter ist ein Wochenbudget mit Tagesdeckel alltagstauglicher als eine starre Tagesgrenze. Wichtiger als die Minuten sind aber die Inhalte, die Begleitung und die Zeiten, in denen Bildschirme gar nicht vorkommen: beim Essen, vor dem Schlafen, nachts im Kinderzimmer. Wer diese drei Regeln hält, Bildschirme nicht als Beruhigungsmittel einsetzt und die Regeln gemeinsam mit dem Kind vereinbart, hat den größten Teil der Medienerziehung geschafft – lange bevor es um die letzten fünf Minuten geht.
Häufige Fragen
Wie viel Bildschirmzeit mit 10 Jahren?
Die Leitlinie der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt für 9- bis 12-Jährige höchstens 45 bis 60 Minuten freizeitliche Bildschirmzeit am Tag – das entspricht etwa 5 bis 7 Stunden pro Woche. Schulische Nutzung zählt dabei nicht mit. Unbeaufsichtigtes Surfen sollte in diesem Alter noch nicht stattfinden.
Zählt Fernsehen mit?
Ja. Die Empfehlungen meinen alle Bildschirme in der Freizeit: Fernseher, Tablet, Konsole, Smartphone und Computer. Ein Film am Fernseher ist Bildschirmzeit, auch wenn die ganze Familie zuschaut. Gemeinsames Schauen ist trotzdem besser als allein – es verändert nicht die Minuten, aber die Wirkung.
Was ist die 3-6-9-12-Regel?
Eine Faustregel des französischen Kinderpsychiaters Serge Tisseron aus dem Jahr 2008: keine Bildschirme vor 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, Internet nur begleitet vor 9 und soziale Netzwerke frühestens ab 12. Sie legt keine Minuten fest, sondern Meilensteine – und passt gut zu den deutschen Altersempfehlungen.
Wochenbudget oder täglich?
Ab dem Grundschulalter bewährt sich ein Wochenbudget mit Tagesobergrenze: zum Beispiel 5 Stunden pro Woche für einen Neunjährigen, höchstens 90 Minuten an einem Tag – der Deckel liegt bewusst über dem Tageswert der Tabelle, damit ein Filmabend möglich bleibt, während das Wochenbudget den Ausgleich schafft. Das Kind teilt sich das Budget ein und übt dabei Planen. Bei 3- bis 6-Jährigen bleibt ihr besser bei einzelnen, kurzen Einheiten, die ihr gemeinsam anschaut.
Ab wann ein eigenes Handy?
Die Leitlinie der Kinder- und Jugendärzte nennt: frühestens ab 9 Jahren, besser ab 12, und dann mit eingeschränktem Internetzugang. Die BZgA rät ebenfalls, vor 9 Jahren kein eigenes Smartphone oder keine eigene Konsole zugänglich zu machen. Praktisch entscheidet oft der Schulweg – ein Handy zum Telefonieren ist etwas anderes als ein Smartphone mit freiem Netz.
Wie setze ich Grenzen durch?
Mit Regeln, die vorher vereinbart wurden, sichtbar sind und für alle gelten – auch für euch. Ein Timer oder eine App macht das Ende neutral, statt dass ihr es jedes Mal aussprechen müsst. Bleibt ruhig, wenn das Kind protestiert: Das Ende der Bildschirmzeit ist keine Strafe, sondern die Regel. Wer regelmäßig verlängert, weil es gerade passt, verhandelt beim nächsten Mal wieder.
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Quellen
- DGKJ/AWMF – Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (S2k, Reg.-Nr. 027-075), Empfehlungen
- BZgA, kindergesundheit-info.de – Medienerziehung: Richtwerte für Bildschirmzeit nach Alter
- WHO – To grow up healthy, children need to sit less and play more (Leitlinie für Kinder unter 5 Jahren, 2019)
- Serge Tisseron – Les balises 3-6-9-12 (Original der 3-6-9-12-Regel, französisch)



